Immer wieder treibt mich die Online-Recherche über diverse Websites. Sehr oft stoße ich dabei auf Seiten, die sich die Anbieter hätten sparen können. Hübsche Bilder, etwas Selbstbeweihräucherung, ein paar nicht funktionierende Links und ein schönes Mission-Statement. Doch die gesuchten Informationen sind nicht auffindbar. Handelt es sich um einen Hersteller, Händler oder einen Dienstleister? In welcher Branche ist das Unternehmen aktiv, was genau wird angeboten und was ist der USP? Viele Websites sind aus der Ich-Perspektive und mit einem unreflektierten Selbstverständnis erstellt, dass einem schwindlig werden kann. Man bietet vermeintlich eine User-Experience, aber ohne an den User zu denken.
Was bei puren Firmendarstellungen noch verkraftbar ist, wird bei E-Commerce-orientierten Unternehmen schnell zum schmerzenden Wirtschaftsfaktor. Das Pricing der angebotenen Softwarepakete? „Ups, da ist etwas schiefgelaufen, Fehler 404.“ Besonders schön: Wenn sich Formulare auf dem Smartphone nicht scrollen lassen, man eine Buchung deshalb nicht abschließen kann und das gesamte Prozedere auf dem Desktop neu starten muss. Vieles ist einfach peinlich.
Schlechte Website, weniger Umsatz
Dass dies nicht nur eine subjektive Empfindung ist, zeigt eine aktuelle Umfrage des CMS-Anbieters Storyblok. Mehr als jedes dritte Unternehmen (36 Prozent) schämt sich für seinen Webauftritt, obwohl die Investitionen in Marketing-Technologien steigen. Die gute Nachricht: Im Vergleich zu 2023 ist die Anzahl der sich schämenden Firmen um zwölf Prozent gesunken – allerdings sind die Marketingausgaben im gleichen Zeitraum durchschnittlich um 90.000 Euro gestiegen. Und trotz hoher Investitionen in Marketing-Tech verlieren Unternehmen Jahr für Jahr immer mehr Umsatz aufgrund schlechter Website-Performance. Diese Umsatzeinbußen sind von 66.000 Euro (2023) auf 77.500 Euro im Jahr 2024 gestiegen. 16 Prozent der Firmen gehen sogar von Verlusten von mehr als 92.000 Euro jährlich aus. Storyblok hat 300 Führungskräfte aus großen und mittelständischen E-Commerce-Unternehmen in Deutschland, dem Vereinigten Königreich und den USA dazu befragt.
Erstmals wurde auch die Barrierefreiheit der Websites abgefragt: 51 Prozent der Unternehmen haben zumindest grundlegende Funktionen für Nutzende mit Seh-, Hör- oder Mobilitätseinschränkungen integriert. 23 Prozent bieten jedoch keinerlei Barrierefreiheit – obwohl der European Accessibility Act (EAA) ab dem 28. Juni 2025 alle Unternehmen mit EU-Kundschaft zu barrierefreien digitalen Angeboten verpflichtet.
Die Umfrageergebnisse zeigen es deutlich: Unternehmen sind gut beraten, nicht nur neue Marketing-Technologien und Künstliche Intelligenz zu integrieren: Wer Kundenerlebnisse nachhaltig verbessern möchte, darf die Basics nicht aus den Augen zu verlieren. Insbesondere im E-Commerce.
Schon gehört?
Nachdem die KI-Antwortmaschine Perplexity kürzlich angekündigt hat, einen eigenen Browser (Comet) zu launchen, wird viel darüber spekuliert, ob und wie Perplexity dort Werbung platzieren könnte. Das wird das Search-Advertising weiter verändern. Platzhirsch Google reagiert jetzt auf die sich anbahnenden Entwicklungen und startet die Funktion „Übersicht mit KI“ innerhalb der Google Suche in Deutschland und weiteren europäischen Ländern. Wer mit seinem Google-Konto angemeldet und mindestens 18 Jahre alt ist, erhält auf seine Suchanfrage nun entweder die klassischen Ergebnisse der Google Suche oder eine Antwort mit KI. Anzeigen können oberhalb und unterhalb der neuen KI-Übersicht erscheinen.
Nicht nur das Search-Advertising verändert sich aktuell, auch auf dem Big Screen gibt es viel Bewegung: Der Streamingdienst Paramount+ startet im Sommer dieses Jahres neben einem neuen Premium-Abo auch ein Basis-Abo mit Werbung für monatlich 5,99 Euro. Laut einer Studie von GroupM liegt diese Entwicklung voll im Trend. Der Anteil der Abonnenten niedrigpreisiger Streaming-Plattformen mit Werbung lag im Q 2024 um 33 Prozent höher als im Jahr zuvor. Werbetreibende dürften sich über diese Entwicklung freuen.
Auch Social Media wird immer stärker kommerzialisiert. Nach erfolgreichen Starts in Großbritannien, Spanien und Irland kommt TikTok-Shop nun nach Deutschland. Bisher war E-Commerce in sozialen Medien nicht erfolgreich. TikTok will das ändern und setzt auf einen Mix aus Unterhaltung, Community und Entdeckung und nennt es „Discovery E-Commerce“. Man darf auf die Akzeptanz gespannt sein.
Übrigens: Gestern war Welt-Backup-Tag. Falls sie es gestern versäumt haben, ihre Daten zu sichern, ist es jetzt höchste Zeit. Aber Achtung: Ungeprüfte Backups sind ebenfalls ein Risiko. Laut einer Studie von Data Reverse testen drei Viertel aller deutschen KMUs ihre Backups nicht regelmäßig.
In diesem Sinne. Bleiben Sie inspiriert!