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Die lange Vorbereitung mit Politikberatern scheint geholfen zu haben: Nach einem defensiven Beginn hat Facebook-Chef Mark Zuckerberg bei seiner Anhörung im amerikanischen Kongress immer routinierter auf die Fragen der US-Senatoren reagiert.
Tatsächlich fiel die Befragung im Kongress keinesfalls so hart aus wie im Vorfeld erwartet worden war, wie Whistleblower Edward Snowden herausarbeitete.
Kritik an der Form der Befragung
In case you were wondering why Congress today is treating Facebook’s CEO like an old friend rather than grilling him (they didn’t even require him to be sworn in): https://t.co/ZLOVIVUo18
— Edward Snowden (@Snowden) April 10, 2018
Auch Vermögensverwalter Doug Kass kritisierte die Form der Befragung nachdrücklich: Viele Fragen seien redundant, die US-Senatoren verstünden nicht genug von der Materie, fielen stattdessen aber schnell in ihre politischen Dogmen zurück.
This Zuck testimony is painful – the organization of the questioning is inefficient, redundant and too often used as a platform for showing off and for the expression of political dogma
— Douglas Kass (@DougKass) April 10, 2018
It would be cool to see Zuckerberg questioned by people who know how Facebook works
— Dan Pfeiffer (@danpfeiffer) April 10, 2018
Mark Zuckerberg gelang es immer wieder geschickt, so direkte Fragen mit technischen Antworten im rhetorischen Nichts verlaufen zu lassen. Wenn Zuckerberg im Detail nicht weiter wusste, flüchtete er sich höchst effektiv in seine Lieblingsfloskel: „Mein Team wird zu der Frage auf Sie zurückkommen.“
If you had to take a drink when Zuckerberg says: “I’ll have my team get back to you,” you’d be real real drunk. Related: Zuckerberg team at Facebook needs to drink.
— Kara Swisher (@karaswisher) April 10, 2018
Entschuldigung vor laufender Kamera
Wie erwartet gab sich der Facebook-Chef ein weiteres Mal über die Verfehlungen im Datenskandal zerknirscht, gelobte aber Besserung, die allerdings dauern könne. Durch Künstliche Intelligenz (KI) werde es in den nächsten fünf bis zehn Jahren einfacher, Hassrede in den Griff zu bekommen, erklärte Zuckerberg.
In einer der interessantesten Passagen der Befragung äußerte sich Zuckerberg vielsagend auf die Frage zu Facebooks werbefinanziertem Geschäftsmodell: Es werde immer eine kostenlose Version von Facebook geben, erklärte der 33-Jährige – was den Schluss nahe legt, dass es in Zukunft möglicherweise auch eine zahlpflichtige Premiumversion des Social Networks geben könnte.
#Zuckerberg: „Yes, there will always be a version of Facebook that is free.“ pic.twitter.com/It2aDS2UAv
— Mashable News (@MashableNews) 10. April 2018
Auf die Frage nach seinen engsten Konkurrenten wich der Facebook-Chef mehrfach aus. Ob das weltgrößte Social Network denn ein Monopolist sei, wollte ein Senator wissen. „Fühlt sich für mich nicht so an“, konterte Zuckerberg und erntete die ersten Lacher.
ZUCKERBERG SAYS IT ‚DOESN’T FEEL LIKE‘ FACEBOOK HAS A MONOPOLY
John D. Rockefeller: „You call it monopoly, I call it enterprise“
— zerohedge (@zerohedge) April 10, 2018
Souverän geübt
Gegen Ende des ersten Teils der Anhörung wurde der Facebook-Chef immer sicherer – was auch der Börse nicht verborgen blieb. Die Kapitalmärkte reagierten wieder einmal nach dem typischen Muster des fait accomplis.
Im Vorfeld war die Facebook-Aktie in Erwartung einer höchst ungemütlichen Anhörung bereits abgestürzt, nun stiegen Leerverkäufer aus dem Papier aus, nachdem ein öffentlicher Zusammenbruch – ein meltdown – des CEOs, wie ihn Zuckerberg einmal vor acht Jahren erlebt hatte, ausgeblieben war.
Ein solider Auftritt von Mark Zuckerberg reichte, um die Facebook-Aktie in den letzten zwei Handelsstunden um knapp fünf Prozent nach oben zu befördern und Facebooks Börsenwert um rund 20 Milliarden Dollar zu steigern.
Facebook stock up 4.5% on news that America is run by people who still own VCRs pic.twitter.com/whQd2hGKMN
— Tom Gara (@tomgara) April 10, 2018