Herr Hohmann, bitte fassen Sie Ihre ersten 99 Tage als Marketingchef bei Bofrost in einem Satz zusammen.
Es war wertschätzend, witzig und unglaublich lehrreich.
Welchen Eindruck haben Sie in den ersten Wochen vom Unternehmen gewonnen?
Ich habe Bofrost als ein Unternehmen kennengelernt, das von großer Leidenschaft und persönlicher Identifikation der Mitarbeitenden mit der Marke Bofrost geprägt ist. Die Grundstimmung ist sehr dynamisch, und ich erlebe eine hohe Motivation im Team, Herausforderungen anzugehen und Chancen zu nutzen.
Was hat Sie dabei am meisten überrascht?
Auch wenn wir im besten Sinne ein traditionelles Familienunternehmen sind, herrscht hier ein sehr offener Umgang. Flache Hierarchien werden hier mehr gelebt, als ich erwartet hätte.
Mit welcher Hürde hatten Sie so nicht gerechnet?
Bofrost hat mit dem Direktvertrieb von Tiefkühllebensmitteln über bald 60 Jahre ein einzigartiges Geschäftsmodell etabliert. Ich bringe 17 Jahre Erfahrung in Industrie und Handel mit, die ich sicherlich auch bei Bofrost gut einbringen kann. Gleichzeitig kann ich hier auch viel Neues lernen. Eine Blaupause, wie hier das perfekte Marketing aussieht, gibt es nicht. Diese Herausforderung finde ich sehr spannend.
Wie unterscheidet sich die Unternehmenskultur bei Bofrost von der an Ihren früheren Wirkungsstätten?
Hier kann ich zwei Punkte nennen. Bei Bofrost als europäischem Marktführer im Direktvertrieb von Eis- und Tiefkühlspezialitäten spielt der Vertrieb eine noch wichtigere Rolle, als das in der klassischen Industrie oder im Einzelhandel der Fall ist. Der Fokus bei der Entwicklung und Durchführung von Maßnahmen liegt daher deutlich stärker auf dem Vertrieb, sozusagen als erste interne Zielgruppe.
Zum anderen ist die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit der Mitarbeitenden hier deutlich höher, als ich das von anderen Unternehmen kenne. Das unterstreicht die hohe Loyalität der Bofrost-Belegschaft.
Was waren Ihre ersten Veränderungsmaßnahmen?
Eine der ersten Maßnahmen war die Verbesserung abteilungsübergreifender Zusammenarbeitsformate, wie unsere neue interne Kollaboration „All Hands“. Zudem habe ich zum Start eine enge Abstimmung mit dem Vertrieb und dem Category Management forciert.
Welche weiteren Pläne haben Sie für das Unternehmen Bofrost?
Zusammenarbeit ist da ein gutes Stichwort. Unsere Kundinnen und Kunden haben zum Teil eine komplexe Customer Journey, deren Touchpoints von unterschiedlichen Teams bearbeitet werden. Dort findet noch zu wenig übergeordnete Synchronisation statt. Hier sehe ich einen Bedarf und Potenzial. Wir brauchen eine ganzheitliche, aber auch differenzierte Sicht auf unsere Kundinnen und Kunden.
Zudem gilt es, die Markenrelevanz von Bofrost zu stärken. Es gibt wenige Unternehmen, die einen so großen Gap zwischen gestützter und ungestützter Markenbekanntheit haben. Mit dem 2023 geschaffenen, modernen Markenauftritt haben wir einen ersten wichtigen Baustein dafür gelegt.
Was waren weitere Schritte?
Neben der Stärkung der übergreifenden Zusammenarbeit haben wir vor allem den Roll-out unseres CRM-Systems beschleunigt sowie die Teamziele hin zu mehr Kundenzentrierung angepasst.
Wenn Sie sich etwas wünschen könnten: Was soll man einmal über die Kombination Philipp Hohmann und Bofrost sagen?
Wenn in einem Jahr deutlich weniger Leute sagen: „Bofrost kenne ich nur noch von meiner Oma“, würde mich das freuen!
Dieses Interview wurde schriftlich geführt.